„Woman on a horse“: Botero-Skulptur wieder im Alpenhof

Woman on a horse von Fernando Botero im Alpenhof Murnau

Sie ist unvergleichlich – prachtvoll und elegant, aber doch irgendwie anders: Von der Skulptur „Woman on a horse“ des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero geht eine ganz besondere Strahlkraft aus. Gut, dass das Kunstwerk nach jahrelanger Reise nun wieder seinen Platz im Alpenhof gefunden hat. Wir stellen die Skulptur und den Künstler dahinter einmal vor.

Als „kolumbianischsten aller kolumbianischen Maler“ bezeichnet sich der Künstler Fernando Botero selbst. Geboren 1932 in Medellín, einem Dorf in den Anden in Kolumbien, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater verstarb, als Botero vier Jahre alt war, und hinterließ neben dem Jungen noch zwei weitere Kinder sowie seine Frau, die als Näherin kaum mehr als einen Hungerlohn verdiente. Heute ist der weltweit bekannte Maler und Bildhauer 84 Jahre alt und arbeitet noch immer an seinen Kreationen, die einen ganz eigenen, typischen Stil vertreten, der als „Boterismo“ bezeichnet wird.

Fernando Botero Skulptur in Medellín, Kolumbien

Botero malt „keine fetten Menschen“ sondern Volumen

Prägend für seine Werke ist vor allem das Spiel mit Proportionen, Volumen und Perspektiven. Fast alle seiner Figuren und Motive sind deutlich überproportioniert und sehr voluminös. Botero beharrt darauf, dass er „keine fetten Menschen“ malt, sondern Volumen. Die runden Formen sollen als Ausdruck von Sinnlichkeit stehen. Die Motive entspringen oft dem häuslichen Leben, aber auch Straßenszenen aus Kolumbien, Zirkus und Bordellen. Auch Reinterpretationen von Renaissancekünstlern und politische Portraits gehören zu seinem Portfolio, das mehrere hundert Werke umfasst. So malte Botero beispielsweise medellin-182336_1920eine neue Version von da Vincis Meisterwerk „Mona Lisa“: Entgegen der filigranen Darstellung des Originals ist die Mona Lisa Boteros mondgesichtig und wirkt fast wie eine Parodie. Doch Botero steht zu seinem Stil: „An artist is attracted to certain kinds of form without knowing why. You adopt a position intuitively; only later do you attempt to rationalize or even justify it.“

Botero gilt als Kenner und Liebhaber der Renaissancekunst. Während er in jungen Jahren nach Madrid, Paris und Florenz reiste, studierte er die verschiedenen Künstler und ihre Werke, die ihn später nachhaltig beeinflussen sollten. Obwohl die Ästhetik des menschlichen Körpers in der Renaissance eher einer idealisierten Darstellung der Realität entsprach, steckt der gleiche Grundgedanke dahinter: Der Fokus auf Form und Proportion ist beiden Gestaltungsformen gleich; Botero deutet dies nur anders und verzerrt die Bildelemente bewusst. Angefangen hat dies mit der Malerei einer Mandoline, dessen Schallloch er besonders klein malte. So wirkte das Instrument plötzlich viel breiter und größer.

Die Bronzeskulpturen sind weltweit Kult

Diese Linie zog sich fort – nicht nur in der Malerei, sondern auch in der Bildhauerei. Botero fertigt seine Skulpturen typischerweise aus Bronze, was ihnen einen glänzenden und eleganten, aber auch „schweren“ Look verleiht, der die Rundungen seiner Figuren zusätzlich betont. So erscheinen die Skulpturen besonders massiv, beinahe unumgänglich ziehen sie die Blicke auf sich. Die „Woman on a horse“, die nun wieder im Alpenhof Murnau steht, zeigt die Gestalt einer voluminösen Frau, die aufrecht, aber entspannt auf einem ebenso bulligen Pferd sitzt. Die linke Hand der Frau ruht am kurzen Hals des Pferdes, während der rechte Arm fast im rechten Winkel angehoben wurde. Das Pferd besitzt im Verhältnis zu seinen Beinen und dem Körper einen recht kleinen Kopf und wurde im Stand auf einem rechteckigen, niedrigen Sockel positioniert. Von der Skulptur gibt es Variationen, die sich sowohl in der Größe als auch in den Details der Gestaltung unterscheiden. Passend zur „Woman on a horse“ hat Botero neben vielen weiteren Skulpturen auch einen „Man on a horse“ geschaffen. Seine Werke haben einen Wert im mindestens mittleren sechsstelligen Bereich.

Wer nun Lust bekommen hat, sich die wunderschöne Skulptur selbst einmal anzusehen und ihre Form in gesamtem Umfang – wortwörtlich – auf sich wirken zu lassen, ist herzlich eingeladen uns im Alpenhof zu besuchen.